Gedichte von 2007
Das rote Buch
Noch bevor sie das Inhaltsverzeichnis ausgelesen hatte
war sie an der letzten Seite des letzten Kapitels angelangt
Enttäuscht über das überraschend schnelle Ende
und das Lesezeichen, das sie vom rechten Weg abbrachte.
Wie konnte sie die Buchstaben nur so verdrehen,
so falsch interpretieren und die Metaphern missverstehen?
Wie konnte der Wind ihr nur so um die Ohren pfeifen
und die Seiten des Buches so unerwartet weit vorblättern?
Wieso war es ihr nicht vergönnt, inne zu halten
an ihrer Lieblingsstelle, die sie immer wieder lesen wollte?
Wieso flossen die schwarzen Lettern so verworren ineinander über
und machten das Geschriebene für immer unleserlich?
Sie möchte das dicke Buch zuklappen, mit seinem roten Einband,
die Worte, die ihr Herz zum Rasen brachten ausradieren,
möchte das Buch zuschlagen, ins Regal stellen und vergessen.
Doch die vielen unbeantworteten Fragen lassen ihr keine Ruhe.
Gefährten der Nacht
Als ich sie in den Armen halte,
in meinen schwarzen, langen Mantel gehüllt,
der Geheimnisse verbirgt, wie die Schatten der Nacht,
sie ganz nah zu mir ziehe, ihren Kopf an meine Brust,
begreift sie, was mit mir geschehen ist.
Mein Körper kalt, meine Haut blass, weiß wie Porzellan.
Mein Herz sowie mein Leben, stehen geblieben, erstarrt,
wie die Zeiger einer Uhr, die es leid sind,
Stunde um Stunde denselben Weg zurückzulegen.
Und sie weiß, was passieren wird, was ich mit ihr vorhabe.
Trauer
Verzweiflung
Einsamkeit
Hass
Egoismus
Sehnsucht
Habgier
Wahnsinn
Angst
Verlangen
Anbruch der Dämmerung,
die Konturen der Stadt werden sichtbar,
die Umrisse der Gebäude klarer.
Vereinzelt, einsam oder in Gruppen
trotzen die Lichter der Stadt dem dunklen Blau im Hintergrund,
welches die Stadt langsam wieder freigibt,
weiterreicht an den anbrechenden Morgen.
Entkommen lässt aus den schwarzen Fängen der Nacht
und aufleuchten lässt im zarten Strahlen der aufgehenden Sonne,
die ihr zärtlich über die Schultern streicht.
Ein letztes Mal schlägt ihr Herz im Einklang mit dem Leben,
bis sie ihm leise entgleitet, bis es leise verschwindet.
Ein Schatz, den ich dem Leben gestohlen habe um ihn besitzen zu können
fällt leise, kraftlos und sanft in meine Arme.
Ich fange sie auf, halte sie fest und lächle,
weil ich weiß, dass sie die Augen wieder öffnen wird.
Meine Begleiterin in die Ewigkeit, treue Gefährtin an meiner Seite.
Meine Geliebte.
Für immer.
Und ewig.
tanznacht.
weinend sitzt du am straßenrand,
wie das schwarze schaf, passend gekleidet.
deine dunklen haare verdecken deine roten augen.
tränen sie noch oder sind die wasser versiegt?
willst du meine hand nehmen,
dann nimm sie jetzt, wo ich sie dir gebe
als zeichen, dass du nicht mehr alleine bist
und folge mir in die bunte welt, die du nicht kennst.
rote narben will ich verblassen lassen,
wenn du es mir denn erlaubst,
denn ohne dein aufrichtiges ja zum leben
sind selbst meine größten mühen nichts wert.
lass uns die grauen wolken forttreiben,
die lichter des himmels wieder scheinen lassen,
für dich, die du so lange darauf verzichtet hast,
und genießen wir die gemeinsame zeit.
das kleid aus der auslage habe ich dir gekauft,
führe dich aus, wie der prinz aschenputtel zum ball,
drum schenk mir nur einen tanz und einen süßen kuss
von deinen rosigen, süßen lippen.
sing für mich, sing für mich, mein kleines vögelchen,
dreh dich, dreh dich, in deinem schwarzen kleid,
tanze, tanze, bis deine kleinen füße müde werden und
flieg, flieg, wie der wind durch die zeit.
weine nicht, weine nicht, denn ich bin bei dir,
lass dein Haar wehen und
lächle, lächle mich an
weil ich der bin, der dich liebt…
Reisende Herzen (Göttertränen)
Und ich sehe den Vögeln zu, wie sie zum Himmel hinauf fliegen
ich stehe allein am Hauptbahnhof inmitten der tobenden Stadt
und verzweifelt schreie ich stumm nach etwas- jemandem?
Die Menschen um mich herum sehen mir beim Weinen zu,
Tränentropfen, Tränentropfen rinnen mein Gesicht herab.
Der vergessene Reisekoffer wirkt ebenfalls traurig.
Verloren und niemals mehr gefunden, der Inhalt verschwindet aus dem Leben,
Erinnerungen zurücklassend, die nun niemandem mehr gehören
Sollen sie diese zusammen mit meinem Schmerz wegschließen,
vielleicht versiegen meine Tränen dann wieder?
Der ergraute Himmel scheint Mitleid mit mir zu haben,
wieso sonst sollte er aufreisen und mit mir weinen?
Meine Sehnsucht und mein Klagen scheint selbst die Götter erreicht zu haben,
mein Verlangen nach dem, der mein gestohlenes Herz mit sich trägt
durchbricht selbst die harte Himmelsschale mühelos.
Gellend laute Lautsprecherdurchsagen, die Suchenden weisend,
klingen in meinen Ohren nur wie monotones, graues Rauschen,
holen mich jedoch wieder in die triste Welt zurück.
Die Ankunft eines nächsten Zuges, die Ankunft Tausender
erweckt schließlich meine Hoffnung auf ein Wiedersehen.
Ruf der Planeten
Ich heule auf zu den Sternen,
den hell erstrahlenden Bewohnern dort oben
dort, inmitten der dunklen Himmelswiese
rufe ich die Magie der Ahnen an.
Mich fragend, ob sie meine Rufe vernehmen
stehe ich auf dieser grauen Erde,
das Gras um ich wiegt sanft im Wind,
den ich als Antwort der Sterne zu erkennen glaube.
Ich höre das Rauschen der tanzenden Baumkronen,
den Schrei eines verirrten Vogels,
Botschaften, Gesandte des Himmels,
deren Zeichen ich nicht zu deuten vermag.
Umschlossen von der Dunkelheit, die mich umgibt,
standhaft im erdunkelten Grün des Planeten
halte ich wartend hier die Stellung
bis ein klarer Ruf mit fortschickt.
Die dunklen Wolken gehen auf Wanderschaft,
geben den Blick auf den Nachbarn der Erde frei
und das gleißend helle Mondlicht,
weist mir in Grau-Gelb den Weg, den ich nehmen soll.
Das Gesicht des Mondes lächelt mir zu,
sieht mich mit behütenden Augen an,
der Wind flüstert mir ins Ohr, gibt mir Mut und so reiße ich mich los
und laufe unterstützt von Mars und Merkur in die Nacht.
Dunkelheit, Schwärze verschluckt mich wieder,
ermüdet kämpfe ich mich durch feuchten Nebel,
grüße die Nachtwesen, die mir begegnen
und streife den Mantel der Furcht Schicht für Schicht ab.
Bis ich mein Ziel erreiche muss ich laufen, durchhalten,
darf mich nicht unterkriegen lassen,
egal, wie weit der Weg, egal, wie kalt die Nacht,
vollkommen egal, wie ungewiss das Kommende.
Der zarte Wind streift tröstend meine Wangen,
mein Blick wandert nach oben zu den Sternen, wo Jupiter wacht,
während mein Herz in meiner Brust pocht und pocht,
atemlos versuche ich, das restliche Rätsel zu entziffern.
Meine Beine tragen mich weiter fort,
einem unsichtbaren Faden folge ich zur Venus,
weil ich weiß, dass ich durch ihn weiterleben
und mein Ziel eines Nachts erreichen kann.

sky_fish's Welt zwischen Himmel, Erde und sonstwo...
