Gedichte von 2006
Zwischen zwei Welten
Zwischen zwei Welten
stehe ich hier am Abgrund,
meinen Blick zum dichten Wald gerichtet,
mit dem Rücken zur Sonne,
die glaubte, mir den rechten Weg weisen zu können.
Nicht tot, aber auch nicht am Leben
will ich meine Tränen verstecken
und auf mein Schicksal warten.
Soll ich weitergehen oder stehen bleiben?
Soll ich hinabfallen oder davonfliegen?
Soll ich mich verstecken oder davonlaufen?
Oder soll ich in den Lauf der geladenen Waffe blicken?
Wirst du mich verlassen oder bei mir bleiben?
Wirst du mich heute erschießen und davonrennen?
Wirst du mir in meine Träume folgen?
Wirst du mich töten, so wie es den Anschein hat?
Zwischen zwei Welten
stehe ich hier am Abgrund,
mein Blick zum Festland gerichtet,
mit dem Rücken zur herab fallenden Schlucht,
die sich über dem Meer der Vergangenheit auftut.
Nicht tot, aber auch nicht am Leben
will ich meine Tränen verstecken
und auf mein Schicksal warten.
Werden Geister mich jagen, bis ich einer von ihnen bin?
Werden alle meine Träume auf einen Schlag vergebens sein?
Wird mein Leben heute Nacht hier enden?
Werde ich wieder erwachen in Schwarz oder Weiß?
Zwischen zwei Welten
stehe ich hier am Abgrund,
meinen Blick starr in die Dunkelheit gerichtet,
mit dem Rücken zum Licht,
das mich nicht mehr zu retten vermag.
Nicht tot, aber auch nicht am Leben
will ich meine Tränen verstecken
und auf mein Schicksal warten.
Kalte Schreie
Tanz mit mir im Truglicht der Abenddämmerung
auf dem schmalen Grad zwischen Leben und Tod.
Kalte Herzen, gefroren,
die Augen weit aufgerissen,
Tränen perlen über meine Wangen,
denn deine Lippen schenken mir kein Lächeln.
Der Schrei der Krähe dröhnt in meinen Ohren,
der Schmerz meines Herzens spiegelt sich in meinen Tränen wider.
Ich folgte dir jahrelang, treu, wie ich stets war
und du versprachst mir, dass ich dir das Wichtigste sein würde.
Leichter Nebel schließt uns in seine Arme,
versteckt uns inmitten der Finsternis.
Die kalten Schreie der vergangenen Opfer
klingen wie die einer sterbenden Lerche.
Wunderbarer Abschaum, das Licht des Mondes,
der unseren leichten Bewegungen zusieht,
bis die versteckten Sterne hoch oben am Himmel
zum Vorschein gebracht werden.
Und du tanzt mit mir im Truglicht der Abenddämmerung
auf dem schmalen Grad zwischen Leben und Tod.
Kalte Herzen, gefroren,
die Augen weit aufgerissen,
Tränen perlen über meine Wangen,
denn deine Lippen schenken mir kein Lächeln.
Das Heulen der Wölfe ertönt in meinen Ohren,
meine Tränen zeigen deutlich die Verzweiflung meiner Seele.
Ich folgte dir jahrelang, treu, wie ich stets war,
in der Hoffnung, dass ich dir eines Tages das Wichtigste sein würde.
Deine Flügel sind längst gebrochen, zu Asche zerfallen,
blutige Wunden und deine abstoßende Gier,
rote Wassertropfen und Blutflecken beschmutzen mein weißes Kleid,
das dir einst so gut an mir gefallen.
Und du tanzt mit mir im Truglicht der Abenddämmerung
auf dem schmalen Grad zwischen Leben und Tod.
Kalte Herzen, gefroren,
die Augen weit aufgerissen,
Tränen perlen über meine Wangen,
denn deine Lippen schenken mir kein Lächeln.
Deine Lippen schenkten mir kein Lächeln, nie
Und trotzdem gehöre ich seit jeher ganz alleine dir,
was ich aus eigener Kraft nicht zu ändern vermag
und wenn es mich noch so schmerzt, dass du mich nicht liebst.
Mondgeschöpf
Wer hat den Mond gesehen?
Vollmond, kalt die heutige Nacht.
Graues Gesicht am Himmelszelt,
das du so lauernd über mich wachst.
Mond, wirfst dein Auge auf mich,
rufst mich zu dir, laut und klar,
kann mich nicht vor dir verstecken,
bin dem Abgrund längst zu nah.
Fluch, der du an mir haften bliebst,
vor hunderten von Jahren mich nahmst gefangen,
verurteilst mich zu deinem Sklaven,
in Ketten gelegt lässt du mich nicht ans Licht gelangen.
Klirrendes Metall an meinem Körper
reibt alte Wunden auf und dann,
Blut strömt zu Boden, verklebt mein Gesicht,
so Tränen, weil niemand mich erlösen kann.
Das fahle Licht des Mondes, Vollmondes
Fällt durch die Gitterstäbe in den Kerker ein,
bringt mein Blut zum Kochen,
werde schon bald nicht mehr ich selbst sein
Grausige Klauen an Händen und Füßen
reißen meine Kleidung entzwei.
Vor Schmerzen wimmernd, als meine Lippen scharfe Klingen streifen,
Schmerz durchfährt meinen Körper, wann ist es vorbei?
Zerfetzte Lumpen erinnern nur zaghaft
an das Geschöpf, das ich einst gewesen.
Wo bist du, Licht, Tag?
Wann wirst du mich erlösen?
Rette mich aus meinen eigenen Fängen,
zerbrich meine Klauen und mein Gebiss.
Vollmond du, oh grausamer Himmelsbewohner,
blutrünstig hast du mich zerstört, das sei dir gewiss.
Wer hat den Mond gesehen?
Vollmond, kalt die heutige Nacht
Hässliches Gesicht am Himmelszelt,
das du herzlos über mein Verderben wachst.
Dein Lächeln
Dein Lächeln, das du jeden Tag verschenkst
an alle, die es haben wollen.
Dein Lächeln, so wunderschön
wie gemalt von einem großen Künstler,
festgehalten mit lachenden Farben
auf der groben Leinwand, wirkt es doch so echt.
Wie ein zarter Schmetterling
sitzt du auf den Blütenblättern des Vergissmeinnichts,
getarnt im himmlischen Blau des Friedens,
doch kannst du nicht fliegen.
Weil dir etwas fehlt, den Flügeln gleich.
Traurige Träne, die sich nicht loslösen kann,
verharrt in der Zeit, festgefroren.
Dein Körper und dein Geist gelähmt,
warst du nicht frei in dieser Welt?
Das was dir fehlt, erkennst du es nicht?
Freiheit ruft dein Herz und nicht die Einsamkeit.
Weißt du nicht die Lösung, die zum Greifen nahe liegt?
Wie Licht und Schatten sind wir füreinander gemacht,
können ohne den anderen nicht sein.
Was verschleiert deinen Blick, dass du nicht siehst,
das du schon längst mein Herz besitzt,
welches ich dir vor Jahren schon unter dein Kopfkissen gebettet,
während du träumtest von der großen Liebe?
Was soll ich tun, damit du es endlich erkennst?
Soll ich auf die höchsten Felsklippen klettern,
mich gen Himmel strecken und rufen gegen die Mauern der Lüfte?
Soll ich mich in die dunklen Tiefen des tobenden Meeres stürzen
Um für dich die weiße Perle als Geschenk zu suchen
Und den forschen Wind meine salzigen Tränen davontragen lassen,
wenn ich verzweifelt meine Grenzen beklage?
Meine Gedanken auf den Weg zu dir schicken,
zusammen mit meinen Worten an dich, die dir meine Liebe offenbaren.
Sag mir doch, was soll ich tun, damit es endlich mir gehört,
ganz alleine mir-
dein Lächeln und ein „Ich liebe dich“ aus deinem Mund...
Abends um Acht
Abends um Acht,
Die Tür fällt hinter uns ins Schloss,
verabschiedet die Erinnerungen an den vergangenen Tag.
Die Kleidung abgelegt streifen wir unser anderes Ich über.
Vergessen sind Arbeit und Verpflichtungen,
was bleibt ist Müdigkeit bedingter Egoismus,
der uns vor den Fernseher verbannt als Konsumenten der Medien,
die anhand Werbung unser Hirn zuschütten
mit unnützen, überflüssigen Informationen,
die unsere freien Gedanken im Keim ersticken.
Fallen uns die Augen zu, so träumen wir von Reichtum und Macht,
glauben, das wäre Glück, das zu erreichende Ziel im Leben.
Bequemlichkeit und hohe Ziele- ein Widerspruch in sich.
„Von nichts kommt nichts“, heißt es.
Schnell gesagt, gut gesprochen,
doch sind Worte bekanntlich leichter von den Lippen zu bekommen,
als Taten von unseren arbeitsfaulen Händen zu erwarten.
Wissen wir wirklich, was wir wollen?
Oder reden wir bloß die Dinge daher,
die das Kind in uns einst erreichen wollte?
Erwachsen geworden haben wir die Welt kennen gelernt, so wie sie funktioniert,
wie sie ihre zahllosen kleinen Zahnräder ineinander schiebt,
die das Rad der Evolution unermüdlich antreiben.
In einer Zeit der Technik sind die Menschen dumm geworden.
Alle bahnbrechenden Erfindungen bereits verwertet,
was bleibt da noch zum Überlegen?
Wissen ist Scheinwissen,
das Lexikon auswendig lernen ist keine große Kunst.
Sind die Lebensquellen unseres Gedankenguts erschöpft, ausgetrocknet
und zugeschüttet von sinnlosen Ideen, die die Welt nicht braucht?
Was bleibt uns noch,
wenn alles Vergangene entdeckt,
alles Gegenwärtige analysiert,
alles Zukünftige bereits zerstört ist?
Das Bewusstsein über den Untergang?
Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind wir,
nehmen Hilfsmittel in Anspruch, die sich Philosophie und Religion nennen.
Sind wir „erleuchtet“, wenn wir wissen, wozu wir hier sind
und dumm, wenn wir unsere Bestimmung nicht erkennen?
Oder denken wir fortschrittlich, wenn uns bewusst wird,
dass unsere begrenzte Lebensdauer keinerlei Bedeutung hat,
unsere Existenz nicht von Wichtigkeit ist?
Der Politiker beschimpft die Unfähigkeit der gegnerischen Partei,
es besser machen als sie vermag er jedoch nicht.
Problemlösung der Menschen als Arbeit,
wer hat schon die Macht, oder auch nur den Willen, dies zu erreichen?
Der Nachrichtensprecher berichtet von Unglücken in der ganzen Welt-
Naturkatastrophen, Massenmorde, Börsensturz.
Der Mensch hat die Welt kaputt gemacht,
die Erde verwüstet,
die Meere verdreckt,
den Himmel verdunkelt
und die Tiere vergiftet, die Vögel ihrer Flügel beraubt.
Und die Menschheit ist dem Untergang geweiht,
indem sie sich selbst hinrichtet und den Wunsch zu Sterben nährt.
Klingelt morgens der Wecker, stehen wir auf,
erwachen zu neuem Leben, versuchen, Kraft zu schöpfen
aus dem Bisschen Sonnenlicht, das durchs Fenster scheint.
Die Tür nach draußen öffnen wir, hinaus auf die Straßen,
in die hektische Stadt, das Chaos, tauchen wir ein,
wenn wir die Tür wieder hinter uns schließen.
Unser anderes Ich bleibt zurück,
hütet unsere materiellen Schätze, die uns doch so wichtig sind.
Und fault vor sich in, während wir den Alltagstrott absitzen,
unsere Pflicht erfüllen.
Der Gedanke an eine bessere Welt, Ideen und Tatendrang sind existent,
doch ersticken sie an den Abgasen unserer Herzen und können nicht reifen.
Wir sehen die Sonne zwischen den dunklen Wolken hindurch scheinen,
doch anstatt uns über sie zu freuen ärgern wir uns,
dass wir beim letzten Geldausgeben die Sonnenmilch vergessen haben.
Denn was uns einfällt ist:
Das Ozonloch fördert Krebs...
Manchmal
Manchmal fürchte ich meine eigenen Gefühle,
Fürchte das Schicksal, das vor mir liegt
Und bereits geschrieben ist,
Fest steht, wie in Stein gemeißelte Hieroglyphen.
Manchmal erinnere ich mich an Zeiten und Orte zurück,
Die für mich voller Schmerz und grausiger Erinnerungen sind.
Manchmal vergesse ich jemanden, der mir einst wichtig war,
Um mir die schmerzende Erkenntnis nicht rahmen lassen zu müssen.
Manchmal hasse ich mich selbst am meisten auf dieser Welt,
einfach dafür, dass ich so bin, wie ich bin.
Manchmal brauche ich die Bestätigung, dass ich gebraucht werde,
Um nicht in Zweifeln und Hinterfragungen meines Daseins verloren zu gehen.
Manchmal fürchte ich meine eigenen Gedanken,
Fürchte die Zukunft, die vor mir liegt
Und die ich noch nicht wissen kann,
So oft ich auch versuche, sie vorauszusehen.
Manchmal scheue ich den Kontakt zu meinen Mitmenschen,
Weil ich Angst habe, sie auf irgend eine Art und Weise verletzen zu können.
Manchmal fürchte ich die Spitzfindigkeit meiner eigenen Worte,
Die sich unbarmherzig und schmerzhaft in die Herzen anderer bohren.
Manchmal möchte ich, dass du mich in deine Arme nimmst,
Mich nie wieder loslässt und mir sagst, dass ich dir wichtig bin.
Und manchmal habe ich Angst, dir in die Augen zu sehen,
Weil ich nicht genau weiß, was sie mir sagen wollen.
Manchmal fürchte ich die Länge der Nacht,
Weil ich weiß, dass ich nicht schlafen kann,
Solange du in meinem Kopf herumspukst
Und mich nicht zur Ruhe kommen lässt.
Manchmal ängstige ich mich vor mir selbst, weil ich mich selbst nicht begreifen
Und meine Vorgehensweise nicht nachvollziehen kann.
Manchmal möchte ich die Welt hinter mir zurücklassen
Und mit einem Gefühl von Freiheit hoch über den Wolken davon fliegen.
Manchmal fühle ich mich, als würde ich in einen ewigen Traum fallen,
Doch wenn ich erwache, ist es bloß der nächste Tag.
Manchmal glaube ich, die Antwort auf all meine Fragen gefunden zu haben,
Und im nächsten Moment wird mir klar, dass ich nichts begriffen habe.
Manchmal fürchte ich die Welt um mich herum,
Die grausame und unendlich weite Welt,
Die ich nicht verändern
Und schon gar nicht verbessern kann.
Flügel
Ich wünschte, ich könnte fliegen,
dir mein Herz entreißen und damit entfliehen,
hoch über die Wolken hinaus
und frei sein.
Ich wünschte, ich wäre weit weg von dir, um beobachten zu können,
ob du begreifst, dass ich bei dir war, auch wenn du mich nicht gesehen,
jetzt, wo ich weit weg von dir bin, um mein verwirrtes Herz heilen zu lassen,
das sich doch so sehr nach dir verzehrt.
Ich wünschte, ich hätte Flügel,
die mich davon tragen,
weg von all dem Schmerz,
den du mir bereitest.
Ich wünschte, weiße Schwingen würden mich in den Himmel hinauf tragen,
bis ich der Sonne von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehe
und sie mit tränenverschmiertem Gesicht fragen kann,
wieso sie nicht mehr für mich scheint.
Ich wünschte, ich hätte Federn zur Hand,
mit denen ich meine glasklaren Tränen auffangen kann,
die mein weinendes Herz verschüttet,
als würde es Perlen regnen.
Ich wünschte, ich könnte herabfallen aus dem 7. Himmel,
der mich ach so trügerisch in Ketten legt
und mich meiner Freiheit,
jeden lieben zu können, den ich will, beraubt.
Ich wünschte, ich könnte fliegen,
dir mein Herz entreißen und damit entfliehen,
hoch über die Wolken hinaus
und frei sein.
Ich wünschte, ich würde aufschlagen auf dem harten Boden der Realität,
der mich zurückholt in mein Leben,
das ich doch glaubte, selbst in der Hand zu halten,
auch, wenn mich der Sturz das Leben kosten kann.
Ich wünschte, ich hätte Flügel,
die mich davon tragen,
weg von all dem Schmerz,
den du mir bereitest.
Ich wünschte, ich könnte wieder auferstehen
in einem leuchtenden Gewand aus Licht,
und eine neue Liebe beginnen,
die mich heilt.
Ich wünschte, ich hätte Federn zur Hand,
mit denen ich meine glasklaren Tränen auffangen kann,
die mein weinendes Herz verschüttet,
als würde es Perlen regnen.
Ich wünschte nur, ich könnte dich vergessen,
das Chaos in meinem Herzen wieder bereinigen,
dir furchtlos ins Gesicht sehen können und dich einen Freund nennen,
ohne Angst zu haben, an meinem Herzschlag zu sterben.
Ich wünschte, ich könnte fliegen,
dir mein Herz entreißen und damit entfliehen,
hoch über die Wolken hinaus
und frei sein.
Ich wünschte, ich könnte aufhören, dich zu lieben,
weil ich dich nicht mehr lieben will,
da es doch nur schmerzt
und frei sein- dich endlich vergessen…
Regennacht
Wenn ich spät nachts durchs Haus schleiche,
leise, ungehört,
und mich auf Zehenspitzen tappend
in die Dunkelheit aufmache,
die meine Gedanken wieder in geordnete Bahnen lenkt,
kann ich den Regen draußen hören,
wie er die Bäume streichelt und zum lauschenden Beobachter wird.
Und das Ticken der Wanduhr, die zehn Minuten vorgeht
und mir immer einen Schritt voraus ist.
Durch die gläserne Scheibe
habe ich den Schatten des Mondes gesehen,
der schweigend in seinem zarten Grau erstrahlt
und die schwarzen Silhouetten der Nachbarschaft,
die flüsternd erzählen
von jahrelanger Existenz
und ihren Platz nie verlassen, bewachen für immer,
egal, was geschieht und egal,
wie oft die Erde sich dreht.
Die rauschenden Blätter der Bäume und die Regentropfen
treten in einen wechselseitigen Monolog,
berichten mir abwechselnd von ihren Abenteuern
und fesseln mich ans Fenster, nähren meine Neugierde.
Der Regen erzählt mir von seinen Reisen,
schildert mir, was er bereits alles gesehen,
die Bäume erzählen mir uralten Geschichten,
die sich vor langer Zeit hier abgespielt haben
und ich lasse meinen Geist umnebeln von ihren Worten.
Dem prasselndem Regen zuhörend
setze ich mich auf die kalte Treppe,
zupfe mein Nachtgewand zurecht während ich den Blättern lausche,
kauere mich hin und richte meinen müden Blick hinaus in die Nacht,
bis die Geister des Schlafes sich über mein Gemüt legen, mir die Augen schließen
und mich auf Händen zurück in mein Zimmer tragen,
wo ich mich wieder in das weiche Federbett kuschle
und beginne, von morgen zu träumen
mit einem Lächeln auf den Lippen und den Gedanken weit, weit fort.
Weltfremd?!
Zeigst du mir eine schöne Welt, wenn ich dich darum bitte,
mich aus meiner Traumwelt zu retten,
die mich immer weiter von dir entfernt?
Zeigst du mir die Werte der Menschen,
die du so lobpreist und bewunderst,
zeigst du mir, was ich nicht sehen kann?
Eingezäunt in mit weichen Stoffen umwickelten Stacheldraht
habe ich mich ausgegrenzt von der Realität,
die mich nicht interessiert, und vor der ich flüchte.
In Schwarz-Weiß gehaltene Klischees, von denen ich nichts wissen will,
schleichen um meinen Käfig, den ich ursprünglich nicht gebaut habe,
um mich von der rebellierenden Jugend anstarren zu lassen.
Allein meine mit Wahlsprüchen bekritzelte Papiertüte,
die ich mir überstülpe um als Unbekannter durchzugehen,
gibt mir das Gefühl von Anonymität, das ich im Leben vermisse
und wie durch ein Wunder werde ich ungewollt zum Zielobjekt der Aggressionen,
welche die Menschen mit sich herumschleppen,
die sie nicht im Stillen von sich stoßen können, wie Zicklein ihre Hörner.
Lass mich durch deine Augen blicken, die alles so klar und unverschwommen sehen
oder setze mir die Brille auf, die mir fehlt, um den blauen Himmel hier über der Großstadt zu erkennen.
Zeigst du mir eine schöne Welt, wenn ich freiwillig
meine Ohrenstöpsel der Mülltonne spende,
die schuld daran sind, dass ich dich nicht höre?
Beweißt du mir, dass es Spaß macht, zu leben,
dass es Freude und Leid gibt, die einen bewegen
und nicht nur das verwaschene Grau der Gleichgültigkeit?
Wenn ich die zerknitterte Zeitung aufhebe,
in der Gasse hinter dem Restaurant, aus dem es nach altem Fisch riecht,
und einen Blick auf die vergessenen Nachrichten von gestern werfe,
werde ich dadurch gebildeter, als durch das Frühstücksfernsehen?
Oder sind diese Informationen genauso unwichtig,
wie das Rückwertsaufsagen des Alphabetes?
Zerbrochene Strichmännchen tanzen mir auf der Nase herum
wie die Puzzelteile eines unvollständigen Lebens,
zeichnen ihren Lebensweg als lieblos hingekrakelten Strich
mit Kurven und Kanten und Pausen auf das braune Papier,
über die man Brücken bauen müsste,
um nicht in das Buchstabenmeer abzustürzen und nicht in Verwirrung zu ertrinken.
Lass mich deinen Rucksack tragen, wenn er so leicht ist, dass du ihn herumwirbeln kannst,
oder nimm mir meinen Reisekoffer ab, in dem ich zuviel Erfahrungen gesammelt habe.
Öffnest du mir die Augen und das Herz,
kannst du mir glaubhaft machen, dass ich nicht verrückt bin,
wenn ich die Welt als gefaltetes Papierwerk betrachte?
Zeigst du mir eine Stadt, die mich für sich gewinnt,
und die mir ein Zuhause wird?
Gibst du mich der Welt zurück?
Drück mir einen Geldschein in die Hand und sag mir, dass ich ihn verbrennen kann,
dann folge ich dir durch die bunt schillernde Tür,
die für mich aussieht, als würde sie aus Restmüll bestehen.
Eingesperrt, ausgesperrt, so werde ich mein Leben verbringen,
wenn die Welt es nicht auf die Reihe bekommt, sich im Uhrzeigersinn zu drehen.
Gib mir einen Stift und ich unterschreibe die Liste,
die mich als Weltfremden abstempelt,
um den anderen die Mühe zu ersparen, mich zu verfolgen und zu verurteilen.
Verschwinde ich freiwillig, gibt es niemanden, der mir Tomaten hinterher wirft
wenn ich von der Bühne abgehe und mich hinter dem Vorhang verstecke.
Bist du nicht auch der Meinung,
dass es für mich gut ist, so wie es ist?
Hast du deine Grenzen noch nicht überschritten, dass du meine Hand nicht erreichst,
Oder bin ich es, der die Schritte zurück unternimmt, weil er nicht stolpern will?
Auf der Suche
Begrabe dein Testament in der Asche des verbrannten Herbstlaubes,
sieh der schwarzen Katze dabei zu, wie sie durch den frischen Schnee tappt
und dabei ihre Spuren hinterlässt, die deine überdecken.
Freu dich auf die Zeit, in der du wieder Marienkäfer sammeln
und Äpfel aus dem Garten deiner Großmutter pflücken kannst.
Kämpfe dir deinen Weg durch den kahlen Wald,
zwischen den schwarzen, knochigen Ästen hindurch,
die versuchen, dir den Weg zu versperren und dich von deinem Ziel fern zu halten.
Achte nicht darauf, ob ein hungriger Wolf dich verfolgt,
weil dein roter Pullover ihn an vergangene Zeiten erinnert.
Sieh die bunt schillernden Fische, wie sie Richtung Horizont vorbeifliegen,
der rot leuchtenden, untergehenden Sonne entgegen,
während der Wind vergessene Worte in den zerrissenen Himmel schreibt.
Geh und warte dort, wo Himmel und Erde sich begegnen
auf ein klares Zeichen, das dir den rechten Weg weist.
Vermische deine Zeichen mit Schnee und Sand
und wate durch das Eiswasser des Meeres zwischen klammernden Seesternen hindurch,
bis du zu dem Felsvorsprung gelangst, der in die richtige Richtung zeigt.
Sieh dem Horizont stolz und unbeirrt entgegen,
sodass das weiche Rot sich in deinem Gesicht widerspiegelt.
Winke dem vorbeischwimmenden Otter zu und frage ihn nach dem Rechten,
er wird dir verraten, wie du die Nacht überstehst,
ohne zur Eisskulptur zu werden oder in den kalten Fluten zu ertrinken.
Schlage dein Lager auf, auf dem Felsvorsprung im Meer
und erwarte den Morgen mit Respekt.
Ein weißer Drache mit Schwingen so breit wie der Ozean
wird mit dem Morgengrauen kommen und dir dein Schicksal anvertrauen,
in der Erwartung, dass du seine Sprache verstehst.
Nimm die Aufgabe an, die man dir zuteilt und beweise der Welt,
dass du würdig und fähig bist, ein Teil von ihr zu sein.

sky_fish's Welt zwischen Himmel, Erde und sonstwo...
