Gedichte von 2005
Schwarzer Schleier
Ein schwarzer Schleier aus blutbeflecktem Samt
legt sich über ihre Augen und stielt ihr das Fenster zur Welt.
Schwere Kerkerketten, rostig und alt, halten sie gefangen
in ihrem eigenen Verließ der Dunkelheit.
Ihr weißes Kleid hängt im Schrank,
verdreckt und voller Blut,
zerfetzt und zerschlissen mit der Klinge eines lüsternden Messers,
wird sie es niemals mehr überstreifen können.
Schmerzen in ihrem Kopf lassen sie nicht mehr klar denken,
Gedankenfetzen und Erinnerungen kämpfen um ihr Recht der Existenz,
unfähig, ihre Wut und Verzweiflung von sich auf jemand anderen zu lenken,
gibt sie sich selbst die Schuld.
Aufgegeben hat sie all ihre Träume, die sie einst begleiteten,
zerbrochen und vergessen liegen die zerborstenen Stücke am Boden,
Nicht mehr zu retten, für immer zerstört,
wie ein Puzzle, aus dem man das Herzstück gestohlen.
Zeiten verstrichen, der Vollmond vorüber, den Stand der Sonne abgewartet,
Endet nun auch ihre, sie quälende, Bedenkzeit.
Entschlossen steht sie auf, verlässt ihre dunkle Ecke,
die sie sich in ihrem verschlossenen Zimmer eingerichtet hat.
Leise tritt sie ans Fenster, schiebt den schwarzen Vorhang weg,
Blut tropft von ihren Händen und läuft über Glas, tausend Scherben zu ihren Füßen,
kann sie ihre unsagbaren Qualen nun nicht mehr länger ertragen
und will den Absprung ins Ungewisse wagen.
Den Sprung in die Freiheit, Unendlichkeit,
sie will flüchten vor der Wirklichkeit.
Kann ihren eigenen Wert nicht mehr schätzen
und will sich den Blicken der anderen entziehen.
Akzeptanz und Ignoranz abwiegend
fragt sie sich, was im Leben zählt.
Doch nicht der Unterschied zwischen Glauben und Leugnen,
oder Leben und Sterben?
Oder doch?
Augenblicke
Augenblicke kommen und gehen
Sie ziehen an uns vorbei wie rasche, stumme Schatten.
Oft bleiben sie ungenützt, verstreichen als verpasste Chancen.
Denn oft ist es nur ein kleiner Augenblick,
der Möglichkeiten aufweist, die nie wieder sein werden,
unbekannte Pfade Richtung Zukunft freilegen,
Pilgerwege in die Ungewissheit und das Verborgene, Neue.
Nur ein kleiner Augenblick,
Ein Lächeln, ein Gefühl, ein Aufeinandertreffen zweier Seelen,
verharrt in der Zeit, eingefroren, für einen Moment greifbar nah
doch lösen sie sich in Rauch auf, sobald man seine Hand danach ausstreckt.
Zurück bleiben feuchte Nebeltropfen, die die Luft zum Erkalten bringen
Und ein tiefes, schwarzes Loch-
Das Bewusstsein des Verlustes.
Augenblicke, nur Bruchteile von Sekunden
Losgelöst von Zeit und Raum.
Für einen die Ewigkeit, für den anderen wie nichts.
Genutzt oder ungenutzt, verstrichen, vorbei, Bestandteil der Vergangenheit,
eingeordnet in den Archiven, die Geheimnisse der alten Zeit bewahren.
Ein Sandkorn der Sanduhr, das herabrieselnd mit der Masse der Allgemeinheit verschmilzt,
außer Acht gelassen, verdrängt, vergessen...
...zu klein...
Augenblicke - Blicke in ungeahnte Welten
Ein leises Rascheln in meinen Ohren,
kühle Luft umgibt mich sanft.
Mein Blick hält sich an den roten Herbstblättern fest
Und für einen Augenblick habe ich all meine Sorgen vergessen.
Augenblicke
Bleiben stehen, ziehen vorüber, holen ein, überrunden.
Für die Ewigkeit oder nicht zu halten,
bekennen Farbe in Schwarz-Weiß.
Monotones Rauschen in meinen Ohren,
eine Gänsehaut legt sich über mich.
Meine Gedanken schweifen nach draußen in den kalten Regen
Und für einen Augenblick habe ich mich verloren, versinke in dem grauen Nass.
Augenblicke
Lassen erstarren, nehmen gefangen, ergreifen Besitz,
die Uhr tickt, das Schicksal nimmt seinen Lauf,
auch ohne, dass ich die Zeit vor mir hertreibe.
Ein sanftes Flüstern in meinen Ohren,
der Wind trägt den Duft frischer Blumen zu mir.
Habe den kalten Winter hinter mir zurück gelassen
Und für einen Augenblick sehe ich klar, erkenne ich die Zukunft vor mir.
Ergreife eine Chance
Trotzt Unwissenheit Mut, fasse einen Entschluss
In nur einem Augenblick, einem winzigen Moment,
habe ich meine Bestimmung erkannt.

sky_fish's Welt zwischen Himmel, Erde und sonstwo...
